Marrakesch – Aufreibend und doch bezaubernd

Noch mehr Händler als in Fês tummeln sich in Marrakesch. Während Fês als die blaue Stadt Marrokos bekannt ist, wird Marrakesch die Rote genannt. Durch die Medina zu laufen ist eine kalkulierbare Geduldsprobe. Man muss entspannt bleiben und darf sich durch die vielen aufdringlichen Händler, die trotz Verneinung und offensichtlichem Desinteresse, einem wiederholt Angebote hinterher rufen, das Staunen nicht kaputt machen lassen. Marrakesch ist laut, voll und vorallem aufdringlich, aber wir finden stille Gassen in denen die Sonnenstrahlen durch das Stoh darüber brechen, in denen Handwerker Lampen stanzen und Körbe flechten, oder steinalte Männer aus winzigen Geschäften lächeln.

Eine unbelebte Seitengasse in Marrakeschs Altstadt.
Die Lampengeschäfte glitzern im Sonnenlicht.

Cemil besucht einen Friseur zu dem sich selten Touristen verirren und bekommt – in Vorbereitung auf das wärmer werdende Wetter – einmal Alles kurz. Wir finden viele leckere Essenstände an denen man sicher keinen Stempel vom Gesundheitsamt aber dafür jede Menge Leckeres bekommt. Wir achten darauf, dass Fleisch und Eier immer ordentlich Hitze abbekommen und gehen nur dort essen, wo sich auch viele Einheimische den Bauch voll schlagen.

Cemil begutachtet das Essensangebot am Straßenstand

In Marrakesch gibt es viele falsche Führer mit beindruckender Logistik. Wir haben einen willkürlichen Passanten nach dem Weg zu den Gerbereien gefragt, der uns an einen “zufällig” vorbeilaufenden Jungen weiterreicht und versichert wir müssten nicht zahlen, er wäre sowieso in dieser Richtung unterwegs. Der Junge führt uns zu unserem Ziel, ob wir das wollen oder nicht, er bleibt vor uns und wir landen bei einer dritten Person. Wir bekommen Minze (im Arabischen Nana) gegen den Gestank in die Hand gedrückt und er zeigt uns die Gerbereien, die wir – immer der Nase nach –  auch alleine gefunden hätten und die frei betretbar sind. Er wiederholt mehrfach, er wolle dafür kein Geld.

Einer der Gerberhöfe Marrakeschs – Die Tierhäute schwimmen in verschiedenen Laugenbecken oder trocknen über Gestellen.

Als wir wieder auf der Straße stehen, rennt unser unverhoffter Führer plötzlich weg. Ein Polizist auf einem Motorrad taucht auf, denn falsche Tourguides sind seit den 90ern in Marokko verboten. Als die Polizeistreife weg ist, taucht der falsche Guide wieder auf und möchte nun doch plötzlich Geld haben. Wir wollen ihn trotz Beschimpfung mit eindrucksvoll umfangreichen, internationalen Vokabular nichts bezahlen und bleiben standhaft. Dem Mann, den wir am Anfang nach dem Weg gefragt haben, begegnen wir auch wieder auf der Straße. Er hat den Jungen mit dem Mofa eingesammelt und verabschiedet sich im Vorbeifahren mit “Fuck you, Fuck Police!”.

Die Pferdetaxis in Marrakesch warten auch am späten Abend noch auf Touristen.

Am Abend verwandelt sich die Stadt, die Läden werden geschlossen, die Ruhe schleicht in die Gassen. Dafür pulsiert das Leben auf dem Platz Jemaa el-Fnaa, Fleisch bruzelt auf dem Grill, Kalamaris und Anchovies werden golden im Fett, Oliven und Eingelegtes wartet im Öl.

Der Jemaa el-Fnaa Platz bei Nacht.

Musikgruppen und Sänger stellen Bänke auf und jeder der sich traut und ein paar Münzen übrig hat bekommt eine Trommel zum mitmachen. Gauckler und Hütchenspieler ziehen einem die Dirhams aus der Tasche für unmöglich machbare Geduldsspiele und ein bisschen Spaß dabei.

Wir versuchen unser Glück und angeln nach Cola- und Fantaflaschen. Wir haben keine Chance, aber ganz viel Spaß.

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